Corona und seine Auswirkungen auf die Immobilienbranche

Über Corona und seine Auswirkungen auf die Immobilienbranche sind wir bereits eingegangen. Gerade in der aktuellen Phase lohnt es sich aber, nochmal einen Blick auf das Thema zu werfen. Dabei wollen wir versuchen, einen Blick in die Zukunft zu werfen und mögliche Ableitungen aus der aktuellen Corona-Pandemie zu treffen.

Schwere Zeiten für den Einzelhandel und die Hotel- und Messebranche

Deutlich härter von der Pandemie betroffen als z.B. Büro und Logistik ist der stationäre Einzelhandel. Er war bereits vor der Krise angeschlagen und gerät aktuell noch weiter unter Druck. Die temporäre Schließung von Läden wirkt sich unmittelbar auf die Umsätze aus, so dass es verstärkt zu Forderungen nach Mietreduzierungen gegenüber Immobilieneigentümern kommt. Auch der Trend zum Onlinehandel wird durch Corona weiter verstärkt.

Im stationären Einzelhandel wird es noch länger dauern bis eine Normalisierung eintritt. Rückläufige Einkommenserwartungen und eine geringere Konsumneigung beeinträchtigen die Einzelhandelsumsätze. Dazu kommen Aspekte wie Maskenpflicht und soziale Distanz. Bis Jahresende dürfte es zu stärkeren Mietrückgängen sowohl in 1a-Lagen als auch in Shopping-Centern kommen. Eine Sonderstellung nimmt der Lebensmitteleinzelhandel ein. Er konnte sich aufgrund seiner Grund­versorgungs­funktion dem Abwärtstrend im übrigen Einzelhandel entziehen und seinen Umsatz erheblich steigern.

Die DEHOGA führte eine Umfrage unter 10.000 Hotels, Restaurants und Caterern durch, bei der 82,9 % der Hoteliers Umsatzeinbußen aufgrund der Entwicklungen rund um den Coronavirus beklagten. Die DEHOGA geht davon aus, dass 80 Prozent der gewohnten Auslastungszahlen zur Messezeit wegbrechen werden. Insgesamt rechnet die Veranstaltungsbranche mit einem Verlust von mindestens 100 Millionen Euro und verweist dabei auch auf die anderen Bereiche, die von dem Messe-Aus berührt werden, wie z.B. Speditionen, Taxiunternehmen und Messebau-Firmen.  Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass Hotel- oder Restaurantgebäude oder Veranstaltungshallen „brach liegen“ oder aufgegeben werden müssen. Anfallende Personal-, Instandhaltungs- und Mietkosten stehen fehlenden Einnahmen gegenüber. Und die Vermieter solcher Immobilien werden es schwer haben, die Gebäude neu zu vermieten, so lange die Pandemie nicht vollständig überstanden ist.

Steigender Bedarf an Logistikflächen

Der erste Lockdown im März sowie der aktuelle Shutdown haben eines gemeinsam: In Zeiten steigender Infektionszahlen verändert sich das Konsumverhalten der Menschen. Auf der einen Seite sind für diverse Konsumgüter Produktionsengpässe entstanden. Anbieter kommen entweder selber mit der Herstellung nicht hinterher oder warten auf die Überbrückung von Engpässen bei Ihren Zulieferern. Auf der anderen Seite haben Lebensmittelhändler und Heimlieferdienste die Herausforderung, ihre Bestände zu verwalten. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass zusätzliche Lagerflächen benötigen, um entweder einen Vorrat an Konsumgütern zu schaffen oder die Überbestände verteilen zu können.

Gibt es eine Immobilienblase?

Die Gefahr einer Preisblase am deutschen Wohnimmobilienmarkt steigt. Das betrifft fast alle Regionen, egal ob schrumpfend oder wachsend, wie der aktuelle „Blasenindex“ von Empirica zeigt. Das Rückschlagpotenzial der Preise hat sich bundesweit innerhalb von drei Jahren fast verdoppelt. Im zweiten Quartal 2020 lag das Rückschlagpotenzial – also die relative Preiskluft zwischen Kaufpreisen für Eigentumswohnen und Mieten – im  Empirica-„Blasenindex“ bei 23 Prozent. Vor drei Jahren waren es noch zwölf Prozent. Noch höher ist das Rückschlagpotenzial in den sogenannten Top-7-Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart: Hier liegt es aktuell bei 42 Prozent, nach 28 Prozent im Jahr 2017. Der Gesamtindex ist sowohl in Schrumpfungsregionen als auch in Wachstumsregionen um jeweils drei Prozent gestiegen. Im Ergebnis indiziert der Empirica-Blasenindex für 306 Kreise eine mäßige bis hohe Blasengefahr. Im Vorquartal waren es 301, vor drei Jahren 200 Kreise.

Nach Ansicht von LBBW Research wiederum deutet wenig auf eine spekulative Preisblase hin, die mittelfristig zu platzen droht. Neben eigenen Recherchen wurden auch die Blasenstudien von Empirica, DIW und UBS berücksichtigt. Außerdem flossen Marktanalysen der Deutschen Bundesbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in die Metastudie ein. Als einziges Institut sah das IfW überhaupt keine Anzeichen für eine Preisblase.

Corona als Digitalisierungsbeschleuniger

Mit der Familie ins Restaurant essen gehen oder das Bier in der Stammkneipe trinken ist aktuell nicht möglich. Viele Menschen arbeiten darüber hinaus im Homeoffice. Wurden vor der Corona-Pandemie schon viele Einkäufe im Internet getätigt, beschleunigt die aktuelle Phase diese Entwicklung noch stärker. Wer online einkauft, der sucht mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Netz nach seiner Wunschimmobilie. Im Digitalisierungszeitalter sind Wohnungsbesichtigungen mit VR-Brille eine geeignete Methode, um direkten Kontakt zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Auch Videotelefonie wird immer stärker genutzt, um Beratungen durchzuführen. Das bedeutet, dass ein professioneller Internetauftritt für Immobilienmakler immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wir gehen ebenfalls davon aus, dass Smart Homes und Smart Grids zukünftig noch stärker in den Fokus rücken bzw. die entsprechenden Funktionen dafür stärker genutzt werden. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass man viele Dinge ganz bequem von zuhause aus regeln kann.

Neben den Entwicklungen bezogen auf die Immobilienbranche wird es sicher auch gesellschaftliche Veränderungen geben. Die Pandemie wird uns wohl noch eine ganze Weile beschäftigen. Wir wünschen Ihnen allen, dass Sie die schwere Zeit so gut wie möglich überstehen!

 

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